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Likes for poo poos? Instagram in der Babypause

Es ging mir in den letzten Monaten wie momentan so vielen, wenn sie auf Instagram unterwegs sind: Sie können diese ganz Flut von Happyness und Alles-ist-so-toll kaum mehr ertragen. Besonders an Tagen, an denen einem selbst das eigene Leben genau das Gegenteil davon erscheint. Ist das normal? Absolut. Und es ist sogar viel mehr: total gesund finde ich. Denn das wirkliche Leben und vor allem das Glück in Bildern festhalten zu wollen, ist eh eine Schnapsidee!

Genau genommen ist Instagram ja eine Traumwelt, die nur in wenigen Fällen wirklich etwas mit der Lebensrealität des Individuums zu tun hat. Das kann man nun verurteilen als „mehr Schein als Sein“ und dem doch eigentlich neutralen Begriff der „Selbstinszenierung“ etwas Negatives anhängen. Ich persönlich empfinde das genau umgekehrt: Es ist die Möglichkeit zu träumen! Sei es um sich selbst auszuprobieren, sozusagen auf der Spielwiese des kleinen Narzisten in uns zu toben, aber auch um andere zu inspirieren. Wirklich unangenehm wird es doch vor allem dann, wenn genau diese Abgrenzung nicht mehr stattfindet, und man sich das Leben buchstäblich damit versaut, jeden Moment Instagram-tauglich festhalten zu müssen.

Wie zum Beispiel im Sommer am Badesee. Anstatt einfach mal alle fünf gerade zu machen, hat man diesen blöden Gedanken, wie wohl das perfekte Bild des Augenblicks auszusehen hat: im neuen schwarzen Badeanzug, der bitte eine Hammer Figur macht, malerisch-brandenburgische Seenlandschaft im Hintergrund, und das alles bitte noch mit einem lachendem Baby auf dem Arm. In der Umsetzung ist das harte Arbeit und endet damit, dass man ewig viel Zeit damit verbringt, den richtigen Winkel und die richtige Pose zu finden, um dann festzustellen: Mhm, Mist, ich muss mal wieder Sport machen. Mein Bauch wirft Falten und man sieht sie trotz Badeanzug. Im ungünstigen Falle hat man dann noch ein Gegenüber, das fotografisch total unbewandert ist, und immer dann abdrückt, wenn man sich bewegt, und den Rest der Zeit nur blöde Witze reißt. Denn nicht jeder hat einen Instagram Husband, oder wie die großen Blogger feste Fotografen, die dann direkt die Retusche on-the-flight mit erledigen. Hach, wäre das schön!!

Oder dieses ganze Essens-Geposte. Wie viele Kaffees kalt getrunken werden, nur weil man noch auf das Stück Kuchen wartet für die optimale Komposition. Dazu noch die Designer Handtasche auf den Tisch – wer macht das bitte im wirklichen Leben?! „Blödes Statusgeprotze“ würden manche meiner Berliner Freunde sagen, aber über den Sinn oder Unsinn, sich mit teuren Marken schmücken zu müssen, wäre eine Diskussion für sich an dieser Stelle…

Alles in allem gibt es egal ob mit oder ohne Kind so viele Tage in meinem Leben, an denen ich mich gefühlt in einer Dauerschleife des Alltags befinde, so dass ich davon einfach gar nichts poste, weil das Spannendste wahrscheinlich der Inhalt meines Mülleimers ist. Hey, neun mal gewickelt heute und Schnupfen hat er auch! Dazu gesellen sich dann noch die Essenreste, die mein Kleiner liebevoll zermanscht auf den Boden wirft und in den Teppich einmassiert. Ist aber nicht schlimm, denn ich liebe ihn ja über alles.

Wen interessiert der nicht-Instagram-taugliche Teil meines Lebens? Ich glaube, wirklich niemanden. Likes for poo poos? Nicht wirklich.

Denn wenn wir ganz ehrlich sind, wollen wir doch alle die Schönheit des Lebens sehen. Klar, Authentizität ist das A und O in den sozialen Netzwerken, aber bitte nicht zu viel davon, #zuvielInformation.

Und ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn plötzlich alle die nicht so populären, sehr privaten Seiten des Lebens hervorkramen würden. #WokeUpLikeThis Bilder, die wirklich mal geknipst werden, bevor zumindest die ersten Hautunreinheiten überdeckt und ein Hauch Bronzing Puder aufgetragen ist. Oder was man da #onThe(Wickel)Table alles vor sich hat, bevor es #butfirstcoffee gibt.

Gut auch, dass Instagram keine Gerüche übermittelt. Das wäre dann wahrscheinlich unerträglich.

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