Creative Mind Philosophie

Wie man effektiv auf (unnötigen) Konsum verzichtet

Ich beschäftige mich seit längerer Zeit mit dem Thema Konsum, insbesondere aber Geld sparen und Geld sinnvoll einsetzen. Zum ersten Mal seit Jahren habe ich es geschafft, monatlich einen, für mich hohen Betrag als Rücklagen zu bilden und trotzdem einen Weg des Konsumierens zu finden, der mich Dinge kaufen lässt, die untertrieben formuliert „nicht ganz günstig“ sind.

Vielleicht vorab kurz zu mir: Ich bin Mitte dreißig, arbeite seit 15 Jahren in der Werbung, bin Mutter eines 1-jährigen Sohnes und alleinerziehend.

Ich habe eigentlich schon immer in irgendeiner Form gearbeitet und mich schon früh selbst finanziert. Studiert, nebenher gejobt, diverse Male umgezogen, in den USA gearbeitet, bisschen Karriere gemacht. Eines aber ist über viele Jahre immer gleich geblieben: Am Ende des Monats war mein Konto leer. Egal ob ich wenig oder viel verdient habe. Das hat mir manchmal etwas zu denken gegeben, aber leider nicht genug, um mich schon früher mit diesem Phänomen weiter zu beschäftigen, denn irgendwie erschien mir das Thema Finanzen nicht weiter erforschenswert.

Nun hatte ich in meiner Elternzeit gefühlt plötzlich Massig Zeit. Und um mich neben dieser Phase des unzähligen Windelwechselns auch geistig etwas auf der Höhe zu halten, habe ich die Zeit genutzt, um ganz viele Podcasts zu hören – und vor allem Finanzpodcasts. Eine Linkliste findet ihr am Ende des Artikels.

All das geballte Fachwissen, was man denn mit seinem Geld anstellen kann, hat mich mehr und mehr dazu motiviert, auch endlich mal welches anzusammeln und mich intensiv meinen eigenen Finanzen zu widmen.

Nach all dieser langen Vorrede, kommen hier nun meine Essentials, die – wie ich finde – nützlich für wirklich jeden von uns sind:

1) Überwache deinen Cashflow

Klingt so banal, und unsere Oma hätte es wohl Haushaltsbuch genannt. Mir war das alles bisher immer lästig, und ich bin auch kein Fan von Apps, um wie ein fleißiges Lieschen nach jedem Edeka-Einkauf meine Ausgaben zu notieren. Was es genauso tut, ist zunächst einmal, wenn man sich wirklich bewusst wird darüber:

A) Wie viele Einnahmen habe ich? Das wissen ja die meisten.

B) Wo geht mein Geld hin? Das verdrängen wir ganz gerne von Zeit zu Zeit.

 

Hier empfehle ich, sich wirklich jeden Kontoauszug im Detail anzusehen, vielleicht eine Liste zu erstellen, gerne auch mal in der Vergangenheit vor 1 Jahr zu schauen und sich daran zu erinnern. Vieles, das man dachte „das brauche ich jetzt unbedingt“ entpuppt sich rückblickend als Fehlkauf und Fehlinvestition.

Genauso hilfreich: Alle regelmäßigen Ausgaben Mal 12, also auf ein Jahr hochrechnen. Denn die Denke „ach das sind doch nur xy Euro im Monat“ werden einem dann in der Relation zu anderen Ausgaben bewusster.

Es ist ein gutes Gefühl, seinen Kontostand zu kennen und jeden einzelnen Umsatz vor sich vertreten zu können. In Phasen, in denen ich wenig über Geld nachdachte, war der Kontostand wichtig und die Kontoumsätze eher wie ein schwarzes Loch, in das ich nur ungern hineinsehen wollte. Wahrscheinlich auch des schlechten Gewissens wegen, wenn ich mal wieder dachte, schnell noch dies oder das kaufen zu müssen.

2) Überdenke deine regelmäßigen Ausgaben

Was sind die größten Posten und wo ist Einsparpotenzial? Brauche ich wirklich diese und jene Versicherung, oder bekomme ich sie wo anders günstiger? Was ist mit dem Fitnessstudio? Was sind Ausgaben, was sind Investitionen? Anstatt eines Haushaltsbuchs, empfehle ich übrigens, ein festes Budget für Lebensmittel / Freizeit wöchentlich bar auszuzahlen, und zu versuchen, damit auszukommen.

3) Bezahle zuerst dich selbst

Egal welche Ziele man zum Sparen verfolgt: Altersvorsorge, Immobilie, Weltreise, verlängerte Elternzeit oder sei es einfach ein gewisses finanzielles Polster, nur zur persönlichen Freiheit a.k.a. „Fuck-You-Money“: Ich kündige / wandere aus, mache, was immer ich will! Sparen funktioniert am besten, wenn man bereits zum Monatsbeginn einen festen Betrag bei Seite legt. 10% des Einkommens ist ein schöner Betrag, der gerne als Maßstab für den Ausgleich der Rentenlücke genommen wird, echte Sparfüchse und/oder Gutverdiener schaffen 40% und mehr. Hauptsache ist und bleibt: Regelmäßiges Anlegen zahlt sich vor allem über die Jahre aus durch den sogenannten Zinses-Zins Effekt. Vielleicht erinnert man sich noch an Mathe in der 9.ten/10.ten Klasse und die e-Kurve: Diese steigt zunächst kaum merklich (entspricht den ersten 10 bis 15 Sparjahren), aber dann geht sie steil nach oben. Genauso funktioniert auch ein thesaurierender Sparplan (Zinsen werden nicht ausgeschüttet, sondern dem Ersparten hinzugefügt). In aller Munde sind ETF-Sparpläne, damit kann man augenblicklich nichts falsch machen. Einfach Aktiendepot eröffnen, möglichst bei einem Direktbroker (niedrige Verwaltungskosten) und eine vernünftige Streuung festlegen (MSCI, Emerging Markets, DAX, …). Oder wenn man sich davor scheut, dann eben zur Not erst einmal auf ein Tagesgeldkonto, ein paar Podcasts hören (siehe unten), Bücher lesen, und dann einsteigen.

4) Das „Wünschekonto“

Eine weitere schöne Idee, einfach um einmal aufgeräumter und bewusster mit dem Thema Konsum umzugehen: Das zusätzlich Wünschekonto, das man bespart. Sei es, dass man die Putzfrau wieder abbestellt und selbst putzt und das gesparte Geld auf dieses Konto legt. Oder man bewusst auf etwas anderes verzichtet, um das Ersparte stattdessen für diesen Wunsch zu verwenden. Konsumieren wird so wieder etwas Besonderes, und mal ganz ehrlich: Sich etwas zu wünschen, und darauf ein bisschen zu warten, kann wirklich schön sein! Ein bisschen wie früher Weihnachten…

5) Niemals ins Minus!

Das Minus auf dem Konto ist die teuerste Form der Geldanlage. Nirgendwo sonst kostet dich das Geld so viel, wie wenn du dein Konto überziehst. Es ist also mehr als sinnvoll, eine Rücklage auf dem Konto zu bilden (ca. 3 Monatsgehälter), die dich genau davor bewahrt.

6) Konsum-Awareness im Alltag

Man kann sich ganz hart der Thematik mit einem 100% Konsumverzicht stellen – was aber ein ganz schöner Schock in der Umsetzung bedeutet, und dem Sprung ins eiskalte Wasser nahe kommt. Oder man wählt den weichen Einstieg, also zum Beispiel eine relativ niedrige Sparrate, die monatlich steigt.

Mir ging es so, dass je mehr ich mich mit meinen Finanzen und meinem Sparplan beschäftigt habe, desto mehr hat sich das auch auf meinen Alltag ausgewirkt. Sprich, das Geld, das auf meinem Konto ist oder sich in meinem Geldbeutel befindet, hat im wahrsten Sinne des Wortes wieder viel mehr Wert. Und da überlegt man sich dann einfach im Alltag zweimal: Ist es mir jetzt wert, für xy diese Menge an Geld auszugeben?

Gar kein Geld im täglichen Leben auszugeben geht eigentlich nicht. Man kann ja nicht nur von Luft und Liebe leben. Aber alleine das Bewusstsein zu schaffen, dass der tägliche Gang zum Bäcker auf dem Weg zum Arbeit eigentlich nicht unbedingt sein muss. Oder der 3., 4. und 5. Cocktail. Oder dass man auch Wellness machen kann, ohne schon wieder in der Therme 40 Euro oder mehr auszugeben. Es gilt hier nach neuen Lösungen zu suchen, die eine echte Alternative zu den ursprünglichen Aktivitäten sind. Und das muss jeder für sich ausloten. Naja, und seine Freizeit in Kaufhäusern zu verbringen, wenn man sparen möchte, ist einfach nur Masochismus.

Vieles war bei mir mit Konsum behaftet, was eher der Wunsch nach einem Lebensgefühl war. Z.B. „Heute will ich etwas für mein Aussehen tun“, endete im Kosmetik- / Frisörsalon oder bei Douglas. Oder „Heute ernähre ich mich mal wieder extra gesund“ hieß noch schnell ein Detox Smoothie und veganes Essen to go. „Ich brauche unbedingt Fashion Trend XY war gleichzusetzen mit Shopping, jetzt und sofort! „Ich möchte fitter und durchtrainierter werden“ ging nur mit Yoga im hippen Berlin Mitte Studio. Da geht nur: umdenken und kreativ werden. Yoga kann ich auch wunderbar in meinem Wohnzimmer machen, vor allem jetzt mit Kind. Fashion Trends heißt auch: Was hab ich denn im Kleiderschrank, das man neu kombinieren kann? Mein Favorit im Moment: Meine destroyed Jeans zur Schneiderin bringen lassen und die Löcher großflächig mit anderen Jeans übernähen lassen – Voila, mega Trend. Sock Shoes: Ein Trend, der es buchstäblich verrät, wie man ihn trägt. Ansonsten ist und bleibt meine Lieblings-Klamotten-Ressource ein gut sortierter Vintage Store. Was ich da schon alles gefunden habe. Naja, wer meinen Blog regelmäßig liest, findet hier meine Schätzchen, auch einige Designer-Perlen sind dabei…

Grundsätzlich heißt es aber: ein bisschen Lebensfreude muss man sich trotz allen Sparens noch bewahren. Man will ja nicht als geiziger Sack enden. Aber vielleicht lädt man öfter mal Freunde zum Essen zu Hause ein, als Essen zu gehen. Und reduziert einfach das Ausmaß des Konsumierens auf ein geringes, aber gutes Maß.

7) Konsum: Investment Pieces

Nach all dieser Sparerei hat man dann vielleicht auch endlich mal das Sümmchen erreicht, das es einem ermöglicht, sich einen Wunsch zu erfüllen. Und spätestens dann ist man eh schon so sensibilisiert auf das Thema, dass man sich alles ganz genau überlegt. Sehr gut! Denn an dieser Stelle gilt: Keine Impulskäufe! Lieber nochmal eine oder zwei Nächte darüber schlafen. Eine kleine Anleitung zum Thema findest du auch hier.

8) Investiere in dich selbst und dein Humankapital

Um vielleicht noch einmal ganz auf den Anfang des Sparens zurückzukommen: Es beginnt alles mit dem Einkommen und den Einnahmen. Wo kein Geld reinkommt, kann auch wenig gespart werden. Daher ist und bleibt der wichtigste Faktor, gut und regelmäßig zu verdienen. Gerade in der heutigen Zeit ist ja stetig alles im Wandel, und umso essentieller ist es, immer am Ball zu bleiben. D.h. nicht zurücklehnen und denken, man hat es geschafft, sobald man den Vetrag der ersten Festanstellung unterschrieben hat. Meistens sind das ja eh nur Jahresverträge. Auch hier muss jeder selbst den eigenen, richtigen Weg der Weiterbildung finden und es als Chance und weniger als Belastung begreifen. Es ist doch auch cool, dass unsere Generation nicht mehr nur an einen Beruf lebenslang gebunden ist, sondern man sich mit dem Wandel des Berufslebens auch auf der persönlichen Ebene weiterentwickelt. Ich finde das zumindest sehr spannend! Zum Humankapital zähle ich übrigens auch die Investition in die eigene Gesundheit, die ja die Basis für praktisch alles im Leben ist…

9) Finanziell frei sein

Es ist ein bisschen Interpretationssache, aber eines haben finanziell freie Menschen gemeinsam: Sie haben Zeit, das zu machen, was sie möchten. So gesehen würde ich mich bereits als finanziell frei bezeichnen, denn selbst wenn ich es aus finanzieller Sicht nicht müsste, würde ich gerne beruflich das weiterverfolgen, was ich die letzten Jahre aufgebaut habe. Und viel Zeit mit meinem Kind verbringen. Das ist doch ein wunderbares Lebensgefühl, oder? In sofern hilft mir eine sparsame Lebensweise natürlich dabei, mich dadurch auch freier zu fühlen. Weil ich eben nicht dauernd alles kaufen muss, sondern lieber auf anderes fokussiere: Das hier und jetzt, und die vielen glücklichen Momente, die gar nichts kosten. Die Aufmerksamkeit also langfristig genau darauf zu richten, und zu wissen, im Hintergrund laufen meine Finanzen ganz automatisch ohne dass ich mir über irgendetwas Sorgen machen muss, ist mein langfristiges Ziel.

Ich hoffe, ich konnte euch etwas informieren und inspirieren und freue mich natürlich sehr über jede Rückmeldung und Meinung.

Ach, und hier kommen noch ein paar Finanz-Links für die ganz Eifrigen:

https://finanzrocker.net/category/hoerenswert/
http://www.geldbildung.de/finanz-podcast/
http://madamemoneypenny.de

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